Und bitte beachten Sie: Wenn alle Jungs in der Klasse einen Gameboy-Wettbewerb austragen, möchte Ihr Sohn sicherlich nicht mit den Mädchen Gummihüpfen. Gameboy ist ein Massenphänomen, bei dem jeder Boy ohne Game fast schon eine Außenseiter-Rolle in der Schulklasse einnimmt.
Mit Auto-Quartettkarten kann heute kein Kind mehr Klassensprecher werden. In deutschen Jungseelen tummeln sich andere Interessen: Jedes dritte Kinderzimmer ist mit einem Videospiel, Homecomputer oder Fernseher ausgestattet, Walkman und Radiorecorder bringen es bereits auf stolze 60 bis 70 Prozent. Das Zeug wird übrigens auch genutzt: Ein Viertel aller Kids greift einmal täglich zu den Spieletasten und läßt die elektronischen Figuren tanzen!
Bei solchen Aussichten stehen Eltern oft vor einer argen Zwickmühle: Sie wollen Ihr Kind natürlich behutsam auf das hochtechnisierte Computerzeitalter vorbereiten. Doch was tun, ohne ihm gleich eine stupide Spielkonsole mit matter Grafik in den Laufstall zu legen?
Und während Sie über diese Frage nachdenken, explodiert gerade ein neuer Markt, der die Lösung bringen soll: Lern-Software.
Wer auch immer diese Programm-Gattung erfunden hat, kennt das Problem: Alleine in Deutschland steht bereits in jeder dritten Wohnstube ein privater Personal Computer, auf dem Vati Baufinanzierungen simuliert und Mutti ein Kochrezept eintippt. Jetzt taucht er plötzlich auf: Der Sohn des Hauses. Will dabeisein, will an der Maus fummeln, will endlich auch am PC mitmischen! Was werden Sie ihm zeigen? Vielleicht die Rechtschreibprüfung von Word? Oder eine Balkengrafik Ihrer Haushaltsausgaben? Das wird ihn augenblicklich langweilen und der schnelle Griff zum Gameboy gilt als gesichert.
Aber lassen Sie ihn einmal mit einem Raumschiff durchs Weltall kurven (ist nach der Jupiter-Fusion mit den Kometen ohnehin ein prickelndes Thema), dabei allerlei Zivilisationsmüll einfangen (statt andere Raumschiffe abzuschießen) und währenddessen noch bis zu 50.000 Rechenaufgaben lösen! Mit anderen Worten: Umweltbewußtsein und Kopfrechnen auf spielende Weise fördern! Schon haben Sie ein Programm, das gemeinhin Lern-Software heißt. Und Ihr Kind ist die nächste Stunde an den PC gefesselt. Vielleicht sogar länger. Vielleicht sogar solange, bis er seinen Gameboy freiwillig zur alten Eisenbahn legt.
Drohende Musik, Vogelgezwitscher und plötzlich brüllt er ins Kinderzimmer: Der Tyrannosaurus Rex! Wer jetzt nicht erschrickt, hat es kapiert: Hier läuft nur eine Multimedia-Software zum Thema “Dinosaurier”. Das Kind greift zur Maus, um selbst auf Entdeckungsreise in die Urzeit zu gehen. Kurze Videoszenen am Bildschirm machen die Zeitreise noch farbiger. Inmitten des lebenden Bilderbuches präsentiert sich - JEDER will ihn sehen - der “Tyrannosaurus Rex”, dessen Hinterpfote locker einem Radfahrer (der übrigens auch zu sehen ist) den Garaus machen könnte. “Größer als ein Doppeldecker-Bus, länger als ein Wohnmobil, mit 14 Zentimeter langen Zähnen so scharf wie ein Steak-Messer - das ist der Dinosaurier in vielen Alpträumen”. Wer diesen Satz einmal gelesen hat, wird vielleicht den Kopf schütteln, aber sicherlich noch in zwei Jahren an den Tyrannosaurus denken, wenn er gerade ein Steak ißt.
Lern-Software im Verbund mit Multimedia und einem leistungsfähigen PC - eine durchaus sinnvolle Entwicklung: Wenn das Kind schon den Computer kennenlernen soll, dann nicht durch kleine Spielkonsolen, an denen man allenfalls seine Namens-Initialen für die Siegerliste eingeben kann, sondern gleich mit Pauken und Trompeten an einem ausgewachsenen PC, sprich mit 256 Farben an einem großen Bildschirm, mit vielen Soundeffekten und bewegter Grafik, bei der Junior nach Herzenslust mitmachen kann. Wenn schon, denn schon.
Muß das eigentlich sein mit dem tönenden Multimedia? Es muß. Experten haben jahrelang die Wirkung von Multimedia erforscht und entdeckt: Wenn ein Lehrer bei der Lebensgeschichte von Mozart optische Hilfen wie Karten oder Dias einsetzt, bleibt bei den Schülern 20 Prozent mehr hängen! Läßt er dazu noch ein Tonband laufen, klettert der Lernerfolg um 30 Prozent höher. Will er allerdings auf die 50 Prozent kommen, muß er seinem Publikum schon einen Film dazu servieren. Jetzt aber kommt’s! Könnte der Schüler an einem Bildschirm mit der Maus in der Hand die Geschichte von Wolfgang Amadeus selbst auskundschaften, ließe sich der Lernerfolg um satte 90 Prozent (!) steigern - manche sprechen sogar von 150 Prozent. Als Stilmittel für Lern-Software macht Multimedia also durchaus Sinn. Und soeben wanderte in den USA der fünf Millionste Multimedia-PC über den Ladentisch. Zurück in die Wohnstube.
Großes Geheule nach dem Kindergeburtstag. Sie hätten die Wachsmalkreiden nicht austeilen dürfen. Im ganzen Haus duftet es nun nach Wachs, vor allem an den weißen Wänden. Dabei hätte die Branche für Lernsoftware durchaus Alternativen zu bieten: Ein Malprogramm für die Kids, das neben elektronischen Wachsmalkreiden auch Tusche, Wasserfarben oder Buntstifte im Werkzeugkasten hat und sie naturgetreu auf den Bildschirm bringt. Schonzeit für Ihre Inneneinrichtung. Damit aber nicht genug: Es bringt Ihrem Kinde auch behutsam diverse Maltechniken bei, mit denen es nach wenigen Übungsstunden ein Stilleben mit Birne besser zeichnet, als Sie es je in Ihrem Leben zu Papier bringen werden.
Die Programmzeilen entstanden übrigens keineswegs am Schreibtisch eines Pizza- und Cola-Hackers, sondern in enger Zusammenarbeit mit Eltern, Pädagogen und eben Kindern. In den USA zogen die Microsoft-Leute extra in ein “Kid’s Camp” und notierten die Erfahrungen der Jung-Anwender. Später waren es wieder Kinder, die bei der Umstellung der Software für den deutschen Markt als wichtige Testkandidaten auftraten. Sie störten sich zuerst an dem Namen für ein Werkzeug zum Buchstabenbasteln: Die “Satzmaschine”. “Das fanden die Kinder zum Gähnen”, berichtet Wörndl, “so heißt es jetzt ‘Satzomat’”.
Ein Gymnasium in Garching bei München hat den “Writer” sogar schon im Unterricht eingesetzt. “Der Lehrer hat die Software installiert, die Kinder hingesetzt und sie dann alleine gelassen”, so Wörndl. Das Resultat: Eigentlich ein Erfolg, doch die Erwachsenen haben gelernt, daß die Kinder eine echte Aufgabe am PC brauchen, wie zum Beispiel die Produktion eines Klassentagebuchs. Auch Wörndl hat aus der Episode gelernt. Demnächst will Microsoft nicht nur den “Creative Writer” alleine ins Feld schicken, sondern noch rund 100 “Kreativitätskarten” dazulegen, die dem Kinde alleine oder zusammen mit den Eltern auch eine Aufgabe an die Hand geben. Etwa: “Schreibe deine Gedanken als Bilder auf” oder das Projekt “Geheimbotschaften in Chiffre-Form”. Sogar eine Aufgabe “Rette die Erde!” ist mit von der Partie. Andere Jung-Nutzer fanden ihre Aufgabe bereits: Sie tippten einen Westernroman - in englischer Sprache.
Neben kreativen Programmen und klassischen Schulthemen deckt Lern-Software auch das breite Spektrum an Wissensgebieten ab. Immer noch das Lieblingskind der Hersteller: Die Dinosaurier. Nachdem Hollywood eine unendliche Dinowelle losgetreten hat, boomt das Geschäft mit den Urviechern. Wenn Ihr Kind allerdings mit Dinos nichts am Hut hat, bieten sich noch andere Wissens-Pakete über Flugzeuge, Raumfahrt, Malerei, Autos oder Vogelkunde an. Alles natürlich mit dem Multimedia-Stempel versehen.
In den USA grassiert das Edutainment-Fieber bereits so stark, daß eine eigene Zeitschrift hermußte: “HOME PC” und “Family PC” heißen zwei neue Blätter, die in diesem Jahr zur Welt kamen. “Als ich noch jung war, hatte meine Familie ein Telefon, einen Fernseher, ein Auto und ein arbeitendes Elternteil”, berichtet Autorin Marjorie Robins von “Home PC”, “heute besitzt meine Familie vier Telefone, drei Fernseher, zwei arbeitende Eltern und einen PC. Und das ist nicht nur ein neues Spielzeug, sondern etwas, das wie der erste Schwarzweiß-Fernseher in den frühen 50er Jahren das Familienleben verändern wird”. Die zwölfjährige Tochter Alexandra betritt das Büro. “Ich brauche den PC jetzt”, sagt die Kleine und der 15 Jahre alte Sohn Peter fordert einen Augenblick später: “Gib mir die Maus!”. Marjorie Robins überlegt, ob die Kinder nicht einen eigenen Computer bekommen sollen. Doch dann fällt ihr ein, daß die Kids das Ding “ausschlachten” würden und sie die Kontrolle über die PC-Nutzung der Kleinen verlieren würde. Also vorerst kein zweiter PC und Marjorie Robins muß weiterhin bekennen: “IBM-Kompatibilität ist momentan so ziemlich die einzige Harmonie in unserem Haushalt, seit der Computer da ist”.
Lassen Sie uns doch ein wenig an das Morgen denken. Angenommen, Ihr Sohn klebt am Computer wie die Tapete an der Wand. Nicht mal mit einer wohlschmeckenden Spaghetti-Sorte können Sie ihn weglocken. Dabei beginnt in diesem Moment gerade die künftige Karriere des Sohnemannes.
“Die Kinder von morgen lernen keine Zahlen mehr auswendig, sondern entwickeln Strategien, wie sie am besten an gewünschte Daten herankommen”, erklärt dazu der Direktor des Medieninstitutes FWU, Dieter Kamm. Das Lernen wird anders, der Lerninhalt wird anders - vieles wird anders. In der Europäischen Union wollen die Propheten bis zum Jahre 2000 rund zehn Millionen “Tele working Jobs” sehen - der Arbeitsplatz am PC zuhause, alleine in Deutschland sollen es derzeit knapp 3000 sein. Der Arbeitnehmer im nächsten Jahrtausend sollte nach Expertenmeinung auch folgende Anforderungen mitbringen: Er/Sie verkauft Dienstleistungen im EDV- und Kommunikationssektor, hat seinen/ihren Platz im höheren Management und übernimmt neben der Beratung auch kontrollierende Funktionen.
“Unsere Kinder werden in eine Welt hineinwachsen, die wir jetzt nur erahnen können”, notierte der US-Autor Robin Raskin, “sie werden Jobs haben, die noch gar nicht erfunden sind. Und das Kind, das zum ‘Informations-Navigator’ wird, das mit dem Computer umgehen kann - das wird das Kind sein, das am besten vorbereitet ist für diese aufregende neue Welt”.
Spätestens jetzt tritt der warnende Pädagoge auf den Plan: Lern-Software kann Realität ergänzen, aber nicht ersetzen! Und so soll es ein: Wenn Ihr Kind zehn Mal am PC mit digitalen Wachsmalkreiden experimentiert, muß es beim elften Male die echten Zutaten in der Hand halten und wissen: So riechen, schmecken und fühlen sich Wachsmalkreiden an. Auch, wenn Sie Ihre Wände anschließend renovieren müssen.
“Die Erfahrungen sinnlich und multimedial sammeln”, so lautet das Rezept für eine gelungene Verbindung zwischen Kindheit und Computertum.
Schwupp! Das erste Haus steht. Ratatatat! Schon hätten wir auch eine Straße und müssen nur noch ein putziges Stromwerk bauen. “SimCity 2000” läuft gerade. Das alt bekannte Simulationsspiel im neuen Gewand gilt als Dauerbrenner auf den Festplatten der Welt. Kinder, Jugendliche und nicht wenige Erwachsene schlüpfen für einige Zeit in die Rolle einer Bürgermeisters, der eine Stadt aufbauen und vernünftig regieren soll. Herrje! Soeben hat eine Springflut die historische Altstadt untergehen lassen! Was das wieder kostet. Sie hätten den Fluß doch nicht begradigen sollen. Die Jahre ziehen ins Land, der Geld-Haushalt schwankt und wankt, die Presse reagiert auf jeden Fehltritt. Ein harter Job. Ach ja: Bis zur Millionenstadt mit Baseball-Stadium und zehn Polizeistationen vergehen Stunden, wenn nicht ganze Tage. Und es geht immer weiter. Geben Sie der Industrie-Lobby nach und bauen Schlote, wird die Luft schlechter, weil viel Wald dran glauben mußte. Schlechte Luft heißt aber auch, daß immer mehr Bürger wegziehen, der Steuersäckel kleiner wird und am Ende nur noch verfallende Häuser die Do-It-Yourself-City kennzeichnen. Nach zunehmenden SimCity-Sitzungen stellt der Autor bei sich selbst fest: Er handelt plötzlich logischer, denkt noch ein paar Schritte weiter und bedenkt bei ganz alltäglichen Entscheidungen auch diesen und jenen Faktor. Lernziel erreicht.
In den USA hat man mit den berieselten Kindern bereits ein Riesenproblem am Hals. In den Kindergärten wurde die Frage gestellt: “Was ist euch lieber, Daddy oder das Fernsehen?”. Fast jedes zweite Kind ließ wissen, daß Daddy nur Nebensache sei. Und wenn die Kids 18 Jahre alt sind, haben sie bereits 1600 Fernsehstunden getankt und pro Woche rund 1000 Werbespots gesehen.
“Der sichere Weg zu Analphabetisierung eines Volkes”, glauben US-Pädagogen. Doch auch die deutschen Kinder kennen sich auf der Fernbedienung aus: 20 Prozent aller bayerischen Schüler zwischen sechs und acht Jahren starren pro Woche mehr als 40 Stunden in die Röhre, fanden Wissenschaftler heraus. Und drei Viertel aller jungen Vielseher haben zwischen dem sechsten und zehnten Lebensjahr noch kein Buch angerührt - zumindest nicht freiwillig. Wer noch nicht genug hat: In jedem dritten Kinderzimmer hierzulande steht ein Fernseher.
So plagt sich die erziehende Gesellschaft mit zwei Problemen herum: Das wenig kreative Videospiel und das passive Fernsehen. Doch wie beim Gameboy kann Lern-Software auch hier hilfreich sein. Weg von der Passivität, hin zur Interaktion mit dem Medium.
Interaktiv heißt: Zwei oder mehr Seiten übernehmen eine aktive Rolle. Wenn Ihr Kind sich also eine Folge von Biene Maja “reinzieht”, ist der Fernseher aktiv, sein junger Zuschauer allerdings passiv. Bestünde jedoch die Möglichkeit für das Kind, per Knopfdruck oder Fingerzeig zu bestimmen, was die flotte Biene als nächstes unternimmt, haben wir den klassischen Fall von Interaktivität.
Nicht anders verhält es sich bei den Lern-Programmen für den PC: Das Kind pfeift auf die neue Folge von “The Scoobie-Doo-Show” (PRO7) und wendet sich lieber dem Multimedia-Abenteuer “Abenteuer Raumfahrt” zu, wo es mit der Maus durchs All streifen kann.
Fazit: Lern-Software heißt der neue Kompromiß zwischen Gameboy, Fernsehkids und Computerzeitalter. Wer den Computer mit all seinen Vorzügen von Multimedia bis zum Megaspeicher ergänzend zu den lebensechten Erfahrungen der Kinder einsetzt, handelt pädagogisch richtig.
Und wer noch alte Kartons mit Legosteinen im Keller hat, sollte sie nicht auf einem Flohmarkt verklopfen. Denn in Amerika gelten Legosteine bereits als Programmiersprache.
Lesen Sie diesen Satz ruhig noch einmal durch. Legosteine als Programmiersprache. Damit beschäftigen sich derzeit die Wissenschaftler am Massachusettes Institute for Technology, MIT. Sie bauen aus den noppigen Plastikteilchen kleine Roboter zusammen, hängen die Konstruktion an einen Apple-Computer und lassen die Legosteine zu programmiertem Leben erwecken. Und ich werde zu meinem ungeborenen Sohn an Weihnachten sagen: “Heb das gut auf, wenn du mal einen Computer hast”.
STEFAN SCHEIDER für "Familie & Computer" vom Januar 1995
Dauer-Power
Keine Angst, wenn das Kind sich übertrieben lange mit einem neuen Computer beschäftigt: Das ist normal und läßt nach, sobald die Lust am Neuen befriedigt wird.
Freizeit pflegen!
Achten Sie darauf, daß Ihr Kind seine gewohnten Freizeitaktivitäten nicht vernachlässigt oder den Kontakt mit Freunden nicht einschränkt.
Gesellschaftsspiel
Um die familiäre Kommunikation zu unterstützen, betreiben Sie Computer-Software (Spiele, Lernspiele) im Familienkreis.
Schauen, prüfen, kaufen!
Wenn Sie Ihrem Kind ein Programm mitbringen wollen, achten Sie auf folgende Punkte: Kommunikative Möglichkeiten des Spieles sowie Prüfung des Spiels auf kindgerechte Bedienung, konstruktive Lernmöglichkeiten und positive Leitbilder. Also kein “Rambo”-Schießspiel mit animierten Schußwunden.
Außerdem sollte das Spiel weder zu schwierig sein (hohe Frust-Quote), noch zu einfach (langweilig nach kurzer Zeit). Weitere Anforderungen: Verschiedene Schwierigkeitsstufen und mehrere Spieler einstellbar.
Probleme sehen die Pädagogen bei folgenden Spielinhalten: Verherrlichung des Krieges, Gewalt als Konfliktlösungsmittel und hohe Punktezahl für große Zerstörungen, Selbstjustiz als legitimes Mittel, frauenverachtende Darstellungen sowie Fremdenfeindlichkeit.
Nicht jugendfrei?
Hilfe, Ihr Kind hat jugendgefährdende Spiele (z.B. “Teachers Busters”: Lehrer mit dem Panzer überfahren) im Diskettenschrank. Nehmen Sie ihm nicht nur die Disketten weg, sondern erklären Sie auch, warum: Eigenschutz des Kindes, Gefahr von “bösen” Programmen.
Räuber in der Familie?
Bevor eines Tages die Polizei an Ihrer Haustüre klingelt und dem Handel Ihres Sohnes mit geklauter Software ein Ende bereitet, machen Sie Ihrem Kind schon anfangs klar: Das heimliche Kopieren eines Computerprogrammes (Raubkopien) ist eine strafbare Handlung!
Mach mal Pause!
Die Spannung steigt - und das schon seit Stunden! Höchste Zeit für Ihr Kind, eine Pause nach dem nervenaufreibenden Autorennen am PC einzulegen. Sonst leiden Konzentrations- und Belastungsfähigkeit. Bei Grundschulkindern sollten die Pausen alle 20 bis 30 Minuten stattfinden.
Dabeisein ist alles
Wenn Ihr Kind eine Computersprache erlernt, ein Spiel ausprobiert oder bereits eigene Programme schreibt - versuchen Sie, mitzulernen und mitzumachen. Sie werden somit zum Partner des Kindes am Computer!
Grenzland
Zeigen Sie Ihrem Kind auch einmal die Grenzen des Computers auf. Sofern möglich, wird das Kind den Blechkasten voller Chips nicht mehr als “heiliges Technikwunder” betrachten. Und das ist besser so.
Sitter
Fernseher oder Computer können keinen Babysitter ersetzen! Machen Sie Ihrem Kind genügend Freizeit- und Erlebnisangebote, ohne die Sache in Streß ausarten zu lassen.
Interessen
Hat Ihr Kind bestimmte Interessen? Musik, Malen oder Fremdsprachen? Richten Sie einen neuen oder bestehenden Computer mit entsprechenden Produkten nach, zum Beispiel Soundkarte (Musik machen), Grafikstift (Malen, Zeichnen) oder CD-ROM-Laufwerk (Einsatz von elektronischen Lexikas).
Gameboy
Besitzt Ihr Kind einen Gameboy, sollte er nicht stundenlang im Einsatz sein. Denn der kleine Bildschirm strapaziert über längere Zeit hinweg die Augen.
(aus “Computerspiele - Spielespaß ohne Risiko” von der “Aktion Jugendschutz”, AJS, Landesarbeitsstelle Nordrhein-Westfalen)
Lernen lernen
So läßt sich der Lernerfolg zuhause steigern
(aus “Lernen lernen”, Staatsinstitut für Schulpädagogik)
1. Umgebung
Das Kind sollte möglichst immer in der gleichen Umgebung lernen, bei lockerer Kleidung, gutem Luftklima und möglichst wenig Lärmeinflüssen. Leider ist es immer noch so, daß Fernseher oder CD-Player in Aktion beim Lernen stören!
2. Zeitpunkt
Hausaufgaben sollten noch am gleichen Tage gemacht und abends eventuell kurz wiederholt werden. Nach Schule oder eine Mahlzeit stets eine Pause einlegen! Wer drei Schweinebraten im Magen hat, wird nicht mal eine neue Vokabel ins Gehirn bekommen. Wer allerdings vor Hunger fast schon umkippt, ist auch kein Lern-Hecht!
3. Techniken
Ä hnliche Fächer nicht hintereinander bearbeiten, sonst verwirrend. Reihenfolge der einzelnen Techniken ist pädagogisch vorgegeben: Lernen, Wiederholen, schriftlich Arbeiten. Nicht ganze Buchpassagen auswendig lernen, sondern auf Kernaussagen und Schlüsselsätze achten!
Auditiv veranlagte Schüler sollten den Lernstoff in seinen wesentlichen Inhalten vor sich hinsprechen. Der visuelle Lerntyp tut besser daran, sich solche Informationen aufzuschreiben. Die richtige Wahl kann den Lernstoff entscheidend festigen. Bei längerfristigen Lerninhalten regelmäßige Wiederholungen einstreuen! Außerdem: Auf eigene Fehler achten, da diese eine Schwachstelle in der Lerntechnik aufzeigt. Zur Lerntechnik gehört auch, Unklarheiten beim Lehrer nachzufragen.
4. Unterstützung der Eltern
Halten Sie den Kontakt zur Schule, zum Beispiel an Elternabenden. Versuchen Sie, eine negative Haltung zur Schule auszuräumen und dem Lehrer Ihres Kindes “fair” gegenüberzutreten. Erkennen Sie die Arbeit des Kindes an und bekunden Sie auch fachliches Interesse! Haben Sie ein Auge auf die Form der Hausaufgaben, vermeiden Sie aber, daß Ihr Kind zur Lernmaschine wird.
Pfui, Mathe!
Tips gegen den Mathematikstunden-Horror
1. Arbeite im Unterricht öfter mit! Es gibt keine dummen Fragen und der Lehrer will auch, daß es keine Unklarheiten gibt.
2. Mache Deine Hausaufgaben an dem Tag, an dem der Lehrer sie aufgibt! So ist der Stoff aus dem Unterricht noch frisch und die Aufgaben können lockerer bewältigt werden!
3. Wiederholen gehört auch zu den Hausaufgaben! So weißt Du auch nach 48 Stunden noch, was Sache ist!
4. Falsch: Erst die Aufgabe machen, dann die Aufgabe durchlesen. Richtig: Erst in Ruhe durchlesen, dann Teil für Teil bearbeiten. Denn oft bauen Teilaufgaben aufeinander auf.
5. Die Lösung nicht “erbrüten”! Wer sich stundenlang über einer Aufgabe das Hirn zermartert, muß sich nicht grämen, selbst große Mathematiker haben schon mal entnervt aufgegeben. Schau Dir lieber eine Übung aus dem Unterricht an - die sollte nämlich ein paar gute Tips für das Lösen der Hausaufgaben enthalten!
6. Abschreiben spart Zeit, aber auch Ehre! Abschreiben oder den Vati ranlassen hilft leider nicht viel: Wenn eine Prüfung kommt, wirst Du auch alleine auf dem Stuhl sitzen. Abkupfern ist also reiner Selbstbetrug.
Zitate
“Multimedia zum Mitmachen steigert den Lernerfolg um 90 Prozent”
Ergebnis einer Studie
“57 Prozent der häuslichen PC-Nutzer sind die Kinder”
Umfrage-Ergebnis
“Auf Familien-PCs werden von Kindern zu 28 Prozent Hausaufgaben gemacht”
Umfrage-Ergebnis
“Das Kind wird zum Informations-Navigator”
Peter Stephens, USA
“In jedem dritten Kinderzimmer steht ein Fernseher”
Ergebnis einer Studie
“Kinder brauchen eine Aufgabe am PC”
Peter Wörndl, Microsoft
“Die Kinder der Nintendo-Generation sind es gewöhnt, alleine mit dem Computer zurechtzukommen”
Dieter Kamm, Direktor FWU
“Das Kind in virtuellen Realitäten - wo bleibt da das Leben?”
Dieter Kamm, Direktor FWU
“PC-Simulationen sind die Kosmos-Baukästen von heute”
Dieter Kamm, Direktor FWU
“Eine ideale Software gibt es sowenig wie ein ideales Kind”
Dieter Kamm, Direktor FWU
“Wir stehen erst am Anfang einer neuen Medienpädagogik”
Dieter Kamm, Direktor FWU
Wissenschaftler über Computerkids!
Ergebnisse aus zehn Jahren Studien
Die 4 Pluspunkte des PCs
Der Computer hat vier entscheidende Vorteile: Interaktivität (der PC und das Programm reagieren auf Eingaben von außen und führen eine Art “Dialog” mit dem Lernenden), Rückmeldung (ein gut gestaltetes Programm gibt dem Lernenden Rückmeldungen), multiple Präsentation (verschiedene Symbole können am PC genutzt werden: Grafiken, Animationen, Klänge, Videos) und Gedächtnisentlastung (das Kind kann Informationen speichern und hat den Kopf für höherwertige Denkprozesse frei). Die These stammt von G. Salomon, University of Arizona.
Kontaktarm?
Der alte Vorwurf, Computer lassen das Kind vereinsamen, ist weitgehend widerlegt: Eine Studie zeigt, daß Schüler im herkömmlichen Unterricht weniger miteinander sprechen, als beim Lernen vor dem Computer! Sie bitten sich gegenseitig auch häufiger um Hilfe. Andere Wissenschaftler haben beobachtet, daß durch das Lernen am PC insgesamt die Kooperationsbereitschaft in der Klasse steigt.
Drei Wissenschaftler-Gruppen kamen zwischen 1986 und 1989 auf ein weiteres sensationelles Ergebnis: In der Freizeit ist bei Jugendlichen, die einen Computer benutzen, eine stärkere Kommunikation untereinander zu beobachten, als bei solchen, die sich vom Computer fernhalten!
Lesen kontra Tippen
Computernutzung bremst zwar deutlich das Lesen von belletristischen Werken, steigert aber den Lesekonsum insgesamt! Vielmehr greifen die jungen Nutzer nun öfter zu Büchern, die Scheinwelten zeigen (Science-Fiction-Romane) und naturwissenschaftlicher Literatur (auch EDV-Bücher). Eine Studie aus dem Jahre 1988 hat dies gezeigt.
Mädchen & Maschinen
Viele Studien haben sich mit der Computerarbeit von Mädchen beschäftigt. Fazit: Mädchen verbringen insgesamt weniger Zeit am Computer als Jungen und nehmen auch seltener an Informatik-Kursen teil. Der Anteil der jungen Damen steigt jedoch kräftig an, wenn es sich um reine Mädchenkurse handelt! Zudem sinkt die Abbruchquote. Mädchen arbeiten lieber zu zweit und kooperativ am Computer (1988). Außerdem haben sie meist mehr Angst, den Computer falsch zu behandeln und ihn gar zu zerstören (1987). Jungen interessieren sich mehr für technische Einzelheiten eines Computers, Mädchen mehr für die Anwendungsmöglichkeiten (1989).