Showdown: Jackson-Double Chris fährt vor...
Aufwärmen: Ein schneller Moonwalk in der Garderobe...
I'm bad: Draussen warten schon hunderte Disco-Besucher...
Jacko in Hauzenberg: Die Show beginnt...
Jump: Schluss-Akkord mit einem Luftsprung...
Saubere Landung: Chris tankt Applaus...
Countdown: Jackson kommt 1992 wieder nach München!
Kreisch: Jackson ist in München!
Man in the mirror: Jackson im vollen Olympiastadion...
remember the time
Scheiders ARD-PlusMinus-Beitrag 1993 über den "Konzern" Michael Jackson
michael jackson
29. August 1958 - 25. Juni 2009.
bad
Donnerstag, 25. Juni 2009. Gleich Mitternacht. 23.43 Uhr. Plötzlich macht es "ping" im Nachrichten-Ticker. Eine Eil-Meldung, nur ein einziger Satz. Michael Jackson ist im Alter von 50 Jahren gestorben. Für tot erklärt um 23.26 Uhr nach unserer Zeit. Sofort schwirren eine Million Bilder, Szenen und Satzfetzen durch den Kopf. He, diese Meldung ist schlicht und einfach unfassbar. Der King of Pop tot?
the way you make me feel
1993. Scheider im Jackson-Fieber. Alle Münchner Konzerte besucht und alle Songs verschlungen. Nicht fanatisch kreischend und auch nicht mit Jackson-Bettwäsche, aber bewundernd für das Neue, was er der Welt gegeben hat: Sound, Tanz und Show. Alles perfekt.
Doch dann. Schlagzeilen tauchen auf. Jackson und die Kinder. Das PlusMinus-Team will einen Beitrag über Michael Jackson fürs Erste. Nach den Vorwürfen über Kindesmissbrauch wankt das Imperium. Scheider soll die wirtschaftlichen Negativ-Folgen untersuchen. Und diese Folgen gibt es. Nur wo und wie packt man so ein Thema an? Ganz einfach: Erstmal einem Jackson-Imitator an die Fersen heften. Jackos Doubles spüren wohl sofort, wenn das Geschäft nicht mehr so gut läuft.
who is it
Wir düsen mit dem Kamera-Team nach Hauzenberg in eine Diskothek. Dort tritt heute abend Jackson-Double Chris auf. Der Mond scheint hell am Himmel. Ein schwarzer BMW fährt vor und der bayerische Jacko steigt aus. Er betritt die Hintertüre der Disco und hätten wir vorher nicht 50 jubelnde Besucher dort postiert, wäre das eine sehr stille Szene geworden.

1800 Mark verlangt er mit allem Drum und Dran für einen Abend. Der Wirt hat nachgerechnet: 800 Leute passen in seinen Schuppen und Jacko bringt 20 Prozent mehr Umsatz. Müsste reichen. Allerdings: Heute abend wird die Disco nicht ganz voll.
Der falsche Jacko studiert in der Garderobe nochmal die Schritte ein und legt die Leder-Schnallen-Klamotten an. Dazu weiße Socken und schwarze Halbschuhe. Fertig ist Michael Jackson! Es kann losgehen. Die Show beginnt. Und das Publikum verfolgt jeden Schritt des Doubles - immer im Abgleich mit den Szenen vom Original. Ist der Doppelgänger gut? Kann er den Moonwalk? Es passt schon. Chris macht seinen Job gut.
wanna be startin somethin
München 27. Juni 1992. Im Olympiastadion entsteht eine Bühnenstadt: Jackson kommt! Der Echte. Eine Colafirma hängt eine Million Fahnen auf und dann naht der Abend. Rumms, plötzlich steht der Megastar im Funkenregen auf Münchens Bühne. Wahnsinn. Er ist da. Der Unberührbare. Der Außerirdische. Der King of Pop.

Das Konzert ist gigantisch. Das Stadion steht Kopf, was sonst. Und dann denkst du: Der Mann steht da vorne einsam auf der Bühne. Wahrscheinlich trotz Millionen Fans genauso einsam wie auf der Bühne des Lebens...
Weiter mit den Dreharbeiten. Wir fahren ins "WOM", einem unterirdischen Plattenladen in Münchens Fußgängerzone. Und wir blicken auf die CD-Verkäufe des Popkönigs. Sein neues Album "Dangerous" verkauft sich anfangs gut (Platz 2) - dann rutscht es langsam innerhalb eines Jahres auf Platz
35 ab. Mit anderen Worten: Die Millionen-Auflage von "Thriller" (über 60 Mio verkaufte Scheiben) erreicht Michael Jackson nicht mehr. Erstaunlich: Als die Vorwürfe hochkochen und die Schlagzeilen rufen, steigt das Album im September 1993 nochmal auf Platz 9 hoch. Der WOM-Verkäufer meint: "Ich kann mir vorstellen, dass sich die Leute durch die Presse an Jackson erinnern - und dann seine CD kaufen".

Der Filmbeitrag läuft in PlusMinus in der ARD - und am nächsten Tag schauen wir wie immer auf die Einschaltquote. Sie war gut. Aber spitze war sie, als der Mond über Hauzenberg aufging und Michael Jackson vor die Kameras trat. Kein Zweifel: MJ zieht die Menschen magisch an. Gestern wie heute.
gone to soon
2009. Michael Jackson ist nicht mehr da. Irgendwie noch immer unbegreiflich. Der Mann hat der Welt viel gegeben - natürlich auch viel Grund zum Klagen und zum Lästern.

Aber er hat auch ein Werk hinterlassen, das noch sehr lange nachklingt. Und ganz tief drinnen denkst du: Wir aus dem Medienzirkus haben ihn ebenfalls ein Stück kaputtgemacht. Ein Megastar muss zwar einen Mega-Rummel aushalten. Aber Jackson war auch Mensch - kein sonderlich robuster Kerl und einer, dem die Kindheit gestohlen wurde. Sowas geht selten gut aus. Wie auch immer, was auch immer, warum auch immer - die Welt hat eine schillernde Farbe verloren.